Von welchem Konzept geht schreib.on aus?
Welche Rechtschreibstrategien gibt es?
Wie ermittelt schreib.on den Stand der Beherrschung der Rechtschreibstrategien?
Können die 16 000 bisher analysierten Tests auch den neuen Normen angepasst werden?
Ist der Test standardisiert?
Die Leistungen eines einzelnen Kindes werden bei schreib.on immer mit den Leistungen aller Kinder einer Altersgruppe (Klassenstufe) und verschiedener Schulformen (entweder alle Schulformen zusammen oder getrennt nach Gymnasium und übrige Schulformen) verglichen.
Die bisherigen Vergleichsnormen für schreib.on basieren auf Schätzwerten, die aus den Erhebungen zur Normierung der Hamburger Schreibprobe (HSP) im Jahr 2002 gewonnen wurden. Dies war möglich, weil HSP und schreib.on nicht nur eine gemeinsame theoretische Grundkonzeption (strategieorientierte Rechtschreibdiagnose auf der Grundlage der Wortstellenanalyse) haben, sondern auch einen Teil gemeinsamer Wörter umfassen.
Zur Bildung der vorläufigen Vergleichswerte für schreib.on wurden mit Hilfe der gemeinsam in HSP und schreib.on vorkommenden Wortstellen Schätzwerte für die Ergebnisse in schreib.ongebildet und diese Werte auf die übrigen Wortstellen in schreib.on übertragen. Das Problem dabei ist allerdings, dass in schreib.on teilweise schwierigere Wörter und Sätze zu schreiben sind als in der HSP. Dadurch fielen die vorläufigen Vergleichsnormen für schreib.on vergleichsweise streng aus, die Rechtschreibkompetenzen der Testbenutzer wurden etwas unterschätzt. Gleichzeitig wurden die Leistungen bei der HSP etwas überschätzt, denn die Normen der HSP aus dem Jahre 2002 sind ebenfalls nicht mehr in vollem Umfang gültig und müssen angepasst werden.
Schreib.on ist ein Testsystem für die Jahrgangsstufen 1 bis 11 und darüber hinaus und umfasst zahlreiche Versionen. Eine bundesweit repräsentative Eichung aller Versionen würde eine längere Zeit in Anspruch nehmen, da längst nicht alle Schulen über die notwendige technische Ausstattung verfügen, um ganze Klassen kurzfristig mit einem Online-System zu testen.
Daher wurde ein indirekter Weg zur Herstellung von Normstichproben gewählt. Da im Rahmen der IGLU-Studie von 2006 viele Wörter aus schreib.on und HSP geschrieben wurden, liegen für beide Tests Verteilungswerte aus einer bundesweit repräsentativen Stichprobe aus 2500 Schülern am Ende der Jahrgangsstufe 4 vor. Diese Werteverteilungen aus IGLU bilden auch die Grundlage für die Ermittlung der Verteilungswerte für die Jahrgangsstufen 1 bis 3 und 5 bis 11, indem für diese Jahrgangsstufen Daten aus vorliegenden Längsschnittuntersuchungen mit den Daten aus IGLU verknüpft und repräsentative Stichproben für die Jahrgangsstufen 1 bis 3 und 5 bis 11 gebildet wurden. Konkret bedeutet dies, dass aus den vorliegenden Längsschnittstichproben Kinder und Jugendliche ausgewählt wurden, deren Rechtschreibleistungen am Ende der Jahrgangsstufe 4 exakt denen der Schüler aus der IGLU-Erhebung entsprechen. Auf diese Weise konnten wir für alle Jahrgangsstufen bundesweit repräsentative Vergleichsstichproben bilden.
Da in diesen Längsschnitterhebungen auch sehr viele Wörter und Sätze geschrieben wurden, die in schreib.on vorkommen, konnten nun die auf dem Online-Server gesammelten Ergebnisse mit den Ergebnissen der repräsentativen Stichproben verknüpft werden. So haben wir auf der Grundlage von 12 800 Online-Tests die Ergebnisse derjenigen Personen ausgewählt, deren Rechtschreibkompetenzen genau denen der Repräsentativstichproben entsprechen. Auf diese Weise konnten wir für alle Jahrgänge repräsentative Verteilungswerte bilden und Normwerte für die Tests berechnen.
Nach den neuen Normen stellen sich die erzielten Leistungen im Rechtschreibtest im sozialen Vergleich meist etwas günstiger dar, weil die bisherigen Schätzwerte für schreib.on, die sich an den HSP-Normen orientierten, im Allgemeinen etwas zu streng ausfielen. Allerdings werden sich auf Grundlage der neuen Normierungen auch die Referenzwerte für die HSP etwas ändern, da diese im Laufe der vergangenen Jahre allmählich etwas zu niedrig ausfielen. Für die HSP werden daher in Kürze ebenfalls neue Normierungen gelten. Dann wird die Situation gegeben sein, dass für die parallele Nutzung von Online- und Papiertest direkt vergleichbare Normen gelten, die auf derselben empirischen Grundlage gewonnen wurden.
