LRS und Legasthenie – Begriffsklärung

LRS, Legasthenie und Lese-/Recht­schreib­schwäche

In Deutschland wird das Erscheinungsbild der Lese-Recht­schreib­-Schwäche – je nach Ausprägung – manchmal als „Legasthenie“ bezeichnet, was wörtlich übersetzt „Leseschwäche“ bedeutet. Der Aspekt „Rechtschreib-Schwäche“ bleibt in der wörtlichen Übersetzung zunächst einmal unberücksichtigt. 

Vermittelt wird mit dem Begriff Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Legasthenie nicht selten die Vorstellung, dass die damit verbundenen Defizite eine krankhafte und nicht veränderbare Störung darstellen. Junge Menschen mit Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben sind jedoch nicht krank. Die in der Schule auftretenden Probleme sind meist Hinweise auf noch nicht vollzogene Lernschritte und deshalb nicht passende Unterrichtsinhalte. 

Um den Betroffenen schnell zu helfen, sollte nach einer gründlichen Diagnose mit einem standardisierten Rechtschreibtest wie schreib.on zeitnah mit einer speziellen pädagogischen Förderung begonnen werden. Eine reine Ursachenforschung hilft nicht. Das Problem muss so schnell wie möglich professionell angegangen werden. Dazu ist in erster Linie die Schule gefordert. Wenn in der Schule eine ausreichende Förderung nicht zur Verfügung steht, sollte nach einer außerschulischen Förderung gesucht werden. Nachweislich erfolgreiche Unterstützung erhalten Betroffene z.B. in den LOS (Lehrinstituten für Orthographie und Sprachkompetenz).


 

 

Entwicklungsstufen beim Lesen- und Schreibenlernen

Die Erfahrung zeigt, dass sich Lernende die Fertigkeiten im Lesen und Schreiben in unterschiedlichem Tempo aneignen. Die einzelnen Entwicklungsstufen, die durchlaufen werden müssen, sind zwar vom Ablauf her für alle gleich; die Zeit, die Kinder brauchen, um diese Grundfertigkeiten zu verstehen, einzutrainieren und zu automatisieren, unterscheidet sich dagegen erheblich. Es verwundert daher nicht, dass früher oder später große Unterschiede im Leistungsstand der Kinder entstehen können. Studien zeigen, dass die Kluft zwischen den normalen Lernern und den sog. Risikokindern häufig noch größer ist, wenn in den ersten Schuljahren das Lesen- und Schreibenlernen relativ frei, also nicht mit erprobten Materialien und gut strukturierten Methoden, erfolgt. 

 

Begriffsabgrenzung: Lese-Recht­schreib-Schwäche (LRS), Lese-Rechtschreib-Störung und Legasthenie

Sind altersgemäße Entwicklungsschritte im Lesen und Schreiben bei einem Kind oder Erwachsenen nicht oder nur ungenügend vollzogen, spricht man von einer Lese-Rechtschreib-Schwäche oder LRS. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Versuche, die Gruppe der lese-rechtschreibschwachen Schüler von den anderen Schülern deutlich abzugrenzen, indem durch altersnormierte Tests überprüft wurde, ob sich Kinder mit ihrer Leistung im Durchschnitt bewegen oder darunter liegen. Diese Versuche gelten nach Auffassung der meisten Wissenschaftler als gescheitert. Zwischen der schweren Form der Beeinträchtigung der Schriftsprachentwicklung, wie sie in der Definition ICD-10 der WHO als „Lese-und Rechtschreibstörung“ (www.icd-code.de/icd/code/F81.0.html)  bezeichnet wird, leichteren Formen der Beeinträchtigung – üblicherweise unter dem Sammelbegriff „Lese-Recht­schreib-­Schwäche“ zusammengefasst – und der normalen Entwicklung bestehen in der Praxis fließende Übergänge. 

Der Begriff LRS steht demnach für jede Form von Schwierigkeiten bei der Aneignung von Lesen und Rechtschreiben in normalem Tempo und mit angemessener Qualität. Da sich lese-rechtschreib-schwache Schüler Lesen und Schreiben in einem geringeren Tempo als andere Schüler aneignen, kann LRS als eine Lernverzögerung aufgefasst werden, bei der wichtige Lernschritte im Schriftspracherwerb deutlich später als üblich vollzogen werden. Eine Diagnose mithilfe eines normierten Rechtschreibtests wie z. B. schreib.on zielt auf die Überprüfung des Lernstands hin, der durch bestimmte Fehlerschwerpunkte gekennzeichnet ist. Rechtschreibtests, die ausschließlich die Gesamtheit der richtig geschriebenen Wörter oder die reine Fehlerzahl betrachten, liefern keine Hinweise auf den individuellen Lernstand und bieten damit keine Grundlage für einen zielgerechten Förderansatz. Aus diesem Grund ist schreib.on der richtige LRS-Test, um zu ermitteln, ob Förderbedarf besteht und wie eine Förderung ausgerichtet sein sollte.

 

Ursachen für eine LRS

Auch wenn bisher seitens der Wissenschaft keine eindeutigen Ursachen ermittelt werden konnten, die alle Fälle von Lese-Recht­schreib­-Schwäche erklären, dürfen dennoch bei vielen Kindern genetische Faktoren als ein Hauptgrund für eine Lese-Recht­schreib­-Schwäche angesehen werden. Bei ungefähr zwei Dritteln der Kinder sind auch Elternteile, Geschwister oder nahe Verwandte von einer Lese-Recht­schreib­-Schwäche betroffen, wobei männliche Personen fast doppelt so häufig betroffen sind wie weibliche. 

Viele führende Wissenschaftler sind sich einig: Eine Lese-Recht­schreib­-Schwäche ist keine Krankheit und auch keine Art von Behinderung. Statt lange nach Ursachen zu suchen, sollten die genauen Defizite im Bereich der Rechtschreibung zunächst mittels eines normierten, diagnostischen Rechtschreibtests wie z. B. schreib.on ermittelt werden und dann sollte auf dieser Grundlage möglichst rasch zielgerichtet Hilfe in Form einer pädagogischen Förderung erfolgen. Eine erfolgversprechende Förderung braucht strukturierte Methoden und erprobte Materialien, die den Wissensstand der einzelnen Schüler berücksichtigen, sowie Pädagogen mit Expertenwissen, die in der Lage sind, die jungen Menschen zum Lernerfolg zu führen.