Glossar

Alphabetische Strategie

Die Schreiber sind fähig, den gehörten Lauten (Phoneme) Buchstaben oder Buchstabenverbindungen (Grapheme) zuzuordnen und Wörter entsprechend der eigenen Aussprache zu schreiben (z. B. *mota für "Mutter" oder *farat für "Fahrrad"). Die auf diese Weise geschriebenen Wörter mögen zwar nicht immer orthografisch richtig sein, doch kann ihre Bedeutung meistens durch lautes Vorlesen erkannt werden. 

Alphabetische Elemente

Bei den alphabetisch zu bestimmenden Wortelementen werden auch solche Wortstellen bewertet, bei denen zusätzlich zur lautlichen Analyse eine besondere orthografische Regel oder eine morphematisch abzuleitende Schreibung beachtet werden müssen. Allerdings werden in diesen Fällen die orthographisch bzw. morphematisch geregelten Schreibungen ausschließlich hinsichtlich ihrer alphabetischen Qualität bewertet. Schreibungen wie *Bal, *Flige oder *Meuse werden daher in alphabetischer Hinsicht als angemessen bewertet, auch wenn dort Länge- bzw. Kürzezeichen oder abzuleitende Umlautschreibung nicht beachtet werden.

Buchstaben

Zeichen für die Grapheme

Buchstaben mit Oberzeichen

Oberzeichen kommen bei einzelnen Buchstaben (ä, ö, ü), bei Zwielauten (Diphtonge) wie äu oder bei Graphemen mit Längezeichen (äh, öh, üh) vor.

Diphtonge

Zwielaute: au, ei, eu

Diskriminationsfähigkeit

Fähigkeit, Laute akustisch zu unterscheiden und mit /Buchstaben zu bezeichnen (Laut-Buchstaben-Zuordnung) bzw. diese an einer ganz bestimmten Stelle im Wort zu lokalisieren (Lautfolge-Bestimmung). 

Einordnung der Leistung

Erläuterung der Leistungsbereiche

Leistungsbereich

ProzentrangT-WertEinordnung der Leistung
> 98> 70extrem gut
> 94> 65weit überdurchschnittlich
> 85> 60überdurchschnittlich
> 70> 55gut durchschnittlich
30 - 7045 - 55durchschnittlich
< 30< 45knapp durchschnittlich
< 15< 40unterdurchschnittlich
< 6< 35weit unterdurchschnittlich
< 2< 30extrem schwach

Empfehlung

schreib.on stellt die Förderbedürftigkeit fest und gibt ggf. Förderempfehlungen. Sie leiten sich aus der Gesamtleistung und den Leistungen in den einzelnen Rechtschreibstrategien ab. Es wird grundsätzlich empfohlen, sich in der Schule von LRS- bzw. Beratungslehrern oder von seriösen außerschulischen Fördereinrichtungen beraten zu lassen und eine schulische oder außerschulische Förderung in Anspruch zu nehmen. Zusätzlich gibt schreib.on noch konkrete Förderhinweise.

Entwicklungsmodell des Lesens und Schreibens

Siehe: Schriftspracherwerbsmodell

Grapheme

Kleinste Einheit des Schriftsystems, analog zu den Lauten in der Lautsprache. Sie werden durch Buchstaben dargestellt. Man unterscheidet ein- und mehrgliedrige Grapheme (z. B. a - au - sch).

Graphemtreffer

schreib.on ermittelt, was die Testperson schon angemessen schreiben kann. Dabei werden auch Näherungen an die richtige Schreibung erfasst, auch wenn sie sich noch nicht in einer komplett richtigen Schreibung der Wörter zeigen. 

Hamburger Leseprobe (HLP)

Testverfahren von Dr. Peter May und Helga Arntzen zur Ermittlung der Lesefähigkeiten von Schülern in den Klassen 1 bis 4. 

Hamburger Schreibprobe (HSP)

Papiergestütztes Testverfahren von Dr. Peter May zur Ermittlung dessen, was Schüler schon schreiben können. Die HSP stützt sich auf dieselben theoretischen Grundlagen wie schreib.on.

Kompetenzstufen

schreib.on bietet ein diagnostisches Gesamtkonzept zur Erfassung der orthografischen Kompetenz in den Klassenstufen 1 bis 12 und darüber hinaus. Um die orthografische Kompetenz zu beschreiben, werden Leistungswerte für den Grad der Aneignung verschiedener Strategien und Zugriffsweisen beim Rekonstruieren der Schreibungen bestimmt. Als Vergleichswerte dienen dazu einerseits Prozentränge und T-Werte sowie Strategieprofile, bei denen die Leistung des einzelnen Schreibers bzw. der Lerngruppe mit der Leistungsverteilung von Vergleichsgruppen verglichen werden. Es handelt sich hier stets um soziale Vergleiche, also um die Frage, ob die individuelle Leistung besser oder schlechter ist als die anderer Schreiber.

Eine Möglichkeit zur Beschreibung der erreichten Kompetenzen ohne sozialen Vergleich mit anderen Schülern bieten die Kompetenzstufen. Hier wird die individuelle Rechtschreibleistung auf einer sachlichen Skala eingeordnet. Diese reicht von elementaren bis zu weit entwickelten Rechtschreibniveaus und beschreibt die Kompetenzstufe des einzelnen Lernenden unabhängig von der Jahrgangsstufe oder Schulform.

Entscheidender Vorteil dieser Kompetenzstufen ist die Möglichkeit, die Förderplanung ausschließlich an inhaltlichen Anforderungen zu orientieren, die einen Lernenden voranbringen können – vollkommen unabhängig von der Lerngruppe, in der sich der Lernende befindet. Dies bietet eine solide Grundlage für eine gezielte Förderung.

Komposita

Zusammengesetzte Wörter, z.B. Haupt/bahn/hof, Eis/schnell/läufer. Dabei werden manchmal zusammenfallende Laute nicht artikuliert, müssen jedoch durch Buchstaben bezeichnet werden (z.B. Fahr/rad, Hand/tuch).

Konsonanten

Die Konsonanten (v. lat.: con = mit + sonare = tönen; auch Mitlaute genannt) sind Laute, bei deren Artikulation der Atemluftstrom ganz oder teilweise blockiert wird und es zu hörbaren Turbulenzen (Luftwirbelungen) kommt. Im Unterschied dazu wird bei den Vokalen (auch Selbstlaute genannt) der Lautstrom geöffnet. Bei der Zuordnung der richtigen Buchstaben zu den Konsonanten bereitet vor allem die Unterscheidung der stimmhaften und stimmlosen Konsonanten vielen Schreibern Schwierigkeiten. Ausgewertet werden in schreib.on daher besonders die Grapheme für die stimmhaften bzw. stimmlosen Explosivlaute (b – p, d – t, g – k) sowie die Grapheme für die Reibelaute, bei denen ebenfalls stimmhafte und stimmlose Varianten zu unterscheiden sind (w – f, s – z).

Wenn Konsonanten zwischen Vokalen stehen (z. B. bei Rakete oder Wagen), sind sie einfacher wahrzunehmen und mit Buchstaben zu bezeichnen, als wenn mehrere Konsonanten hintereinander stehen (z. B. bei klatschen). Unter diesen Konsonantenverbindungen bereiten besonders die sog. Übergangskonsonanten, die zwischen einem Vokal und einem stärker betonten Konsonanten stehen (z. B. Briefträger), häufig besondere Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion der lautlichen Feinstruktur der Wörter, weil der Akzent auf dem anderen betonten Konsonanten liegt. Dementsprechend werden Buchstaben für Übergangskonsonanten häufiger ausgelassen. Ausgewertet werden bei schreib.on Konsonantenverbindungen innerhalb einer Silbe (z. B. trägt), einschließlich eventuell weiterer angrenzender Konsonanten (z. B. erbringt); außerdem r nach kurzem Vokal vor weiterem Konsonant (z. B. Garten, Marke, Karte, Torte); jedoch ohne Konsonantengraphemen, deren Laute bei normaler Aussprache verschmolzen gesprochen werden (wie bei Fahrrad, Handtuch).

Kurzvokale

Die Vokale a, e, i, o, u bzw. die Umlaute ä, ö, ü werden im Deutschen kurz oder lang gesprochen. In der Schriftsprache werden die kurzen Vokale dadurch gekennzeichnet, dass nachfolgend ein doppelter Konsonant geschrieben wird, z.B. muss, Bett, Hammer, Mann, Lack, platzen. Diese Regel wird allerdings auch durch zwei verschiedene Konsonanten nach einem kurzen Vokal erfüllt, z.B. bunt, Sand, kurz, Mist, Hemd, wild. Daher sind bei der Schreibung von Wörtern mit Kurzvokalen die entscheidenden Fragen die Bestimmung des Wortstamms (Stamm-Morphems) und die Schreibung der Grundform des Wortes (z.B. Kante – kannte (weil: kennen), fast – fassten (weil: fassen). Diese Unterscheidung ist allein nur durch eine lautliche Analyse (alphabetische Strategie) zu treffen, sondern muss durch die Bestimmung der Wortbausteine (morphematische Strategie) gesichert werden.

Langvokale

Die Vokale a, e, i, o, u bzw. die Umlaute ä, ö, ü werden im Deutschen kurz oder lang gesprochen. In der Schriftsprache sind die langen Vokale oft nicht besonders gekennzeichnet, manchmal jedoch durch die Verdopplung des Buchstabens: aa, ee, oo oder durch ein Längen-h: ah, eh, oh, uh, äh, öh, üh oder beim i durch ie. Für die Art der Längenbezeichnung gibt keine eindeutige Regel – man muss sich die Längenbezeichnung wortweise merken. Deshalb werden diese Elemente als sog. Merkelemente bezeichnet.

Laute

Laute/Phoneme sind die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Elemente in der mündlichen Sprache, z.B. Hammel – Himmel – Hummel; rasen – Reusen – Riesen – Rosen.

Lautsprache

Gesprochene Sprache, deren Elemente die Phoneme (Laute) bilden; im Gegensatz zur Schriftsprache, deren Elemente die Grapheme (Buchstaben) bilden. Beim Erlernen der Rechtschreibung ist die Zuordnung von Lauten (Phonemen) zu Buchstaben (Graphemen) und die Bestimmung der Lautfolge innerhalb der gesprochenen Wörter entscheidend. 

Legasthenie

Legasthenie wird häufig synonym zu dem Begriff der Lese-Rechtschreib-Störung bzw. Lese-Rechtschreib-Schwäche verwendet. Zwischen Experten gibt es Streit, ob dies eine Krankheit bzw. Entwicklungsstörung nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist oder nur ein Problem infolge noch nicht oder später vollzogener Lernschritte darstellt. Einigkeit besteht darin, dass die davon betroffenen Kinder und Jugendlichen gezielt gefördert werden müssen. Diese Förderung muss sich eng am Entwicklungsmodell des Lesens und Schreibens orientieren.

Legastheniker

Schüler oder Erwachsene mit einer Legasthenie, bzw. Lese-Rechtschreib-Störung oder -Schwäche

Lese-Rechtschreib-Schwäche

Zusammenfassender Begriff für alle Formen von anhaltenden Problemen im Lesen und Schreiben. In der Regel sind es nicht oder deutlich verspätet vollzogene Lernschritte. Warum diese nicht vollzogen wurden, kann verschiedene Ursachen haben: organische Beeinträchtigungen (z.B. Hör- oder Sehprobleme), persönliche Voraussetzungen, mangelhafter Unterricht, wenig anregende Lernumgebung.

Logographemische Strategie

Bei der logographemischen Strategie werden Teile von Wörtern und ganze Wörter „bildhaft“ als visuelle Muster eingeprägt und können danach als Ganzes abgerufen werden. Zu den Wörtern und Wortstellen, die nach der logographemischen Strategie ausgewertet werden, gehören

  • ähnliche Buchstaben (z. B. m und n, die optisch leicht verwechselt werden können,
  • mehrgliedrige Grapheme (z. B. sch), die aus mehreren Buchstaben eine Einheit bilden,
  • Buchstaben mit Oberzeichen (z. B. ä ö ü),
  • sehr häufig vorkommende Wörter (sog. Merkwörter).

Die phonologischen (lautlichen) Informationen der Wörter bzw. Buchstaben spielen dabei zunächst keine Rolle. Da im Einzelfall durch einen deutschlandweit standardisierten Test nicht feststellbar ist, welche schriftsprachlichen Einheiten individuell logographemisch gespeichert und verarbeitet wurden, werden in schreib.on nur solche Merkmale überprüft, bei denen eine visuell bedingte Verwechslung mit ähnlichen grafischen Mustern häufiger vorkommt (z. B. ähnliche Buchstabenformen, mehrgliedrige Grapheme und Grapheme mit Oberzeichen).

Lupenstellen

Wortstellen (Buchstaben bzw. Buchstabenfolge), anhand derer der Beherrschungsgrad bestimmter Rechtschreibstrategien in besonderer Weise sichtbar wird. Lupenstellen werden manchmal bei der Testauswertung ausgewählt (z.B. bei der HSP), um die Auswertungszeit zu verkürzen. Bei schreib.on werden in der Regel alle für die jeweilige Auswertung relevanten Wortstellen ausgewertet (also nicht nur die Lupenstellen), da die Online-Auswertung (im Unterschied zur händischen Auswertung) auch eine größere Anzahl von Merkmalen gleichzeitig analysieren kann.

Mehrgliedrige Grapheme

 Grapheme sind die sichtbaren Zeichen für Laute (Phoneme) in der Schriftsprache. Geschrieben werden sie mit Buchstaben, oft mit einem Buchstaben (z.B. a, b, t), manchmal mit mehreren (z.B. sp, st, nn, mm, sch, ch, ng). Die Auswertung in schreib.on bezieht sich stets auf die Grapheme, egal ob eingliedrige pder mehrgliedrige Grapheme.

Merkwörter: besonders häufige Wörter

Sehr häufig gelesene und geschriebene Wörter werden ganzheitlich im Gedächtnis gespeichert – sozusagen „wie ein Bild“. Daher wird diese Art des Wort“bild“-Merkens der logographemischen Strategie zugeordnet. Allerdings ist es individuell sehr unterschiedlich, welche Wörter besonders häufig gelesen und geschrieben werden. Es hängt nicht nur vom Unterrichtsmaterial in der Schule, sondern auch von den Lesegewohnheiten, den Hobbys, den Leseangeboten in der häuslichen Umgebung und anderen Einflüssen ab.

 In der Testanalyse von schreib.on zeigte sich, dass diese sog. Merkwörter individuell so unterschiedlich erworben werden, dass eine einheitliche Subtest-Skala für „Merkwörter“ nicht genügend zuverlässig ist. Daher wird auf die Auswertung dieser „Merkwörter“ seit der Testrevision im Jahr 2018 verzichtet.

Morpheme

Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten in der Sprache. Alle Wörter sind aus Morphemen aufgebaut, sie sind deshalb die wichtigsten Bausteine für die Wortbedeutung.  Man unterscheidet Grund- oder Stammmorpheme (z. B. lauf in ver/lauf/en, mann in Mann/schaft), Wortbildungsmorpheme (z. B. –lich in herr/lich, -ig in er/gieb/ig) und grammatische Morpheme (z. B. –st in komm/st; -en in Tür/en).

In schreib.on werden bei der Analyse der morphematischen Strategie insbesondere solche Morpheme ausgewertet, bei denen eine von der lautbezogenen Schreibung abweichende Schreibung verlangt wird, sodass erkennbar wird, ob der Schreiber die Vorschriften für die Morphemschreibung ausdrücklich verstanden hat (z.B. kauf in Ver/käuf/er/in, hand in Hand/tuch, fahr in Fahr/rad).

Morphematische Strategie

Die morphematische Strategie ist eine grundlegende Zugriffsweise, um Wörter richtig zu schreiben. Sie muss bei allen Wortstellen angewendet werden, deren Schreibungen vom Wortstamm abgeleitet werden können. Dazu gehören neben Wörtern mit Umlautableitung (Hand – Hände) auch Wörter mit Verhärtung des Auslautes (gesprochen: Munt – geschrieben Mund). Viele Wörter können nach dem Bausteinprinzip mit Hilfe bekannter selbstständiger oder unselbstständiger Wortteile gebildet werden, z. B. ver/biet/en, un/auf/find/bar. Selbstständige Wörter können zusammengesetzt werden (bilden dann sog. Komposita), z. B. ab/schreiben, Frei/zeit/sport. Dieses Wissen ist vor allem bei Wörtern wichtig, bei denen Laute zwischen Wortteilen verschmelzen z. B. Fahr/rad.

Orthografie

Rechtschreibung – d.h. die Schreibung der Wörter nach vorgegebenen Regeln, die teilweise von der Schreibung  nur nach Gehör abweichen (z.B. gleich gesprochen, aber unterschiedlich geschrieben: Mist und misst, oder gesprochen: hant – geschrieben: Hand).

Orthografische Kompetenz

Damit wird die Fähigkeit (= Kompetenz) bezeichnet, Wörter angemessen nach den orthografischen Vorschriften zu schreiben. Ein orthografisch kompetenter Schreiber kann die grundlegenden Rechtschreibstrategien (alphabetische, orthografische, morphematische und wortübergreifende Strategie) anwenden und hat sich die Schreibung der häufigsten Wörter eingeprägt. Die orthografische Kompetenz wird schrittweise erworben. Der Erwerb der orthografischen Kompetenz dauert mehrere Lernjahre und hört eigentlich nie ganz auf, da immer wieder neue Wörter in das orthografische Gedächtnis aufgenommen werden. Der Grad ihrer Aneignung wird bei schreib.on durch die Kompetenzstufen beschrieben. 

Orthografische Strategie

Die orthografische Strategie wird beim Schreiben der Wortstellen eingesetzt, deren Schreibung von der Aussprache abweicht und daher nicht mithilfe der alphabetischen Strategie gefunden werden kann.  Es handelt sich hierbei um Wortstellen, die entweder wortspezifisch gemerkt (sog. Merkelemente) werden muss oder bei denen spezielle Regeln beachtet werden müssen (sog. Regelelemente). Zu den orthografischen Merkelementen zählen vor allem besondere Grapheme (z. B. V in Vater), Fremdwortschreibungen (z. B. th in Theater) und die Bezeichnung von langen Vokalen in manchen Wörtern (z. B. ah in Zahl, ie in Ziege). Zu den orthografischen Regelelementen zählen vor allem die Schreibung von st/sp am Silbenanfang (z. B. sp in spielen) und die Bezeichnung kurzer Vokale mit Hilfe doppelter Konsonanten (Kürzebezeichnung: z. B. nn in Spinne).

Phoneme

Phoneme sind die kleinsten lautlichen Einheiten der Sprache ohne eigene Bedeutung, aber mit bedeutungsunterscheidender Funktion, z. B. Wal, (langes a) – Wall (kurzes a); Mutter – Butter – Futter – Kutter. Bei der Schriftsprache werden die Phoneme durch Grapheme bezeichnet, die aus einem oder mehreren Buchstaben bestehen (z.B. e, ee, eh; s, ch, sch)

Phonologische Bewusstheit

Phonologische Bewusstheit ist die Fähigkeit, vom Sinngehalt eines Wortes abzusehen und seine Aufmerksamkeit stattdessen auf die lautsprachlichen Einheiten (Silben bzw. Laute) zu richten, aus denen sich ein Wort zusammensetzt. Zur phonologischen Bewusstheit gehört u.a. dass man Silben zählen, Reime erkennen oder Anlaute bestimmen kann. Dies sind wichtige Voraussetzungen, um die Schriftsprache zu erlernen.

Prozentrang

Der Prozentrang (PR) ist ein statistischer Wert, der die Position einer individuellen Leistung innerhalb einer Vergleichsgruppe (z.B. alle Schüler einer Klassenstufe oder einer Schulform) kennzeichnet. Der Prozentrang gibt an, wie viel Prozent der Vergleichsgruppe eine besse­re, gleich gute oder schwächere Leistung erreichen. Zum Beispiel besagt ein Prozentrang 75, dass von hundert vergleichbaren Individuen 25 eine bessere und 75 eine gleich gute bzw. schwächere Leistung erzielen. Ein Prozentrang 10 dagegen drückt aus, dass 90 Prozent der Vergleichsgruppe eine bessere Leistung erzielen.

Rechtschreibstrategien

Grundlegende Zugriffsweisen auf die Schreibung der Wörter. Nach dem Modell des Schriftspracherwerbs wird zwischen logographemischer Strategie (Schreiben nach „Wortbildern“), alphabetischer Strategie (Schreiben “wie man spricht“), orthografischer Strategie (Schreiben nach wortbezogenen Regeln), morphematischer Strategie (Schreiben nach der Wortbedeutung) und wortübergreifender Strategie (Schreiben nach satzbezogenen Regeln) unterschieden. Ein sicherer Schreiber hat diese Zugriffsweisen so integriert, dass er scheinbar automatisch (meistens) richtig schreibt.

Richtig geschriebene Wörter

Der Rechtschreibtest schreib.on prüft zunächst, ob ein Wort komplett richtig geschrieben ist. Das ist jedoch nur ein relativ grobes Raster, das Näherungen an die richtige Schreibung nicht erfasst. Schreib.on ermittelt deshalb auch die richtigen Graphemtreffer und, wie  die grundlegenden Rechtschreibstrategien beherrscht werden. Das ist eine verlässliche Grundlage für eine gezielte Förderplanung.

Satzglieder

Wortgruppen innerhalb eines Satzes, die eine gleiche Funktion haben. Die wichtigsten Satzglieder sind: Subjekt, Prädikat, Objekt, Adverbiale. Diesen können noch Attribute hinzugefügt werden.

Schriftsprache

Die in Schriftzeichen dargestellte mündliche Sprache. Während es beim Gebrauch der mündlichen Sprache um Sprechen und Hörverstehen, also um den Austausch von Lauten bzw. Phonemen geht, umfasst die Schriftsprache das Schreiben und Leseverstehen, also den Austausch von Buchstaben bzw. Graphemen.

Schriftspracherwerbsmodell

Nach  Auffassung der meisten Wissenschaftler und Pädagogen lernen Kinder das Lesen und Schreiben in aufeinander folgenden Stufen bzw. Erkenntnisschritten. Frith und Günther haben dazu Mitte der 1980er-Jahre ein so genanntes Schriftspracherwerbsmodell erarbeitet. Es geht davon aus, dass auf dem Weg zur sicheren Beherrschung des Lesens und Schreibens diese Stufen durchlaufen und entsprechende Lernschritte absolviert werden müssen. Einzelne Kinder verharren auf einer bestimmten Stufe länger, andere kommen schneller voran. Alle Kinder sind jedoch – unter Umständen mit zusätzlicher pädagogischer Förderung – in der Lage, sich nach und nach angemessene Zugriffsweisen für die Schreibung der Wörter anzueignen und bislang nicht oder nicht vollständig vollzogene Lernschritte nachzuvollziehen. Beim Durchlaufen der Stufen der Lese- und Schreibentwicklung eignen sich die Kinder entsprechende Rechtschreibstrategien an. schreib.on liegt eine erweiterte Fassung dieses Entwicklungsmodells zugrunde, die zusätzlich zu den logographemischen, alphabetischen und orthografischen Strategien auch die morphematische Strategie sowie die wortübergreifenden Zugriffsweisen umfasst.

Schulform

Es gibt in Deutschland und Österreich zahlreiche Schulformen mit unterschiedlichen Bezeichnungen. Unter schreib.on werden folgende Zusammenfassungen vorgenommen:

Grundschule/Volksschule (Öst.)
Mittelschule
Hauptschule
Realschule
Gesamtschule
Gemeinschaftsschule
Gymnasium
Waldorfschule/ Montessorischule
andere Privatschule
Berufsschule/Fachschule
Förderschule/Förderstufe
Sonderschule
andere Schule

Die Erfassung dieser Schulformen vor Beginn der Testung dient nur der statistischen Analyse. Die Auswertung des Tests erfolgt im Standard stets mit allen gleichaltrigen Schülern aller Schulformen. Zusätzlich können ab Ende der 4. Klasse Vergleiche mit anderen Schulformen abgerufen werden: Vergleich mit Leistungen der gleichaltrigen Schüler in der Grundschule/Realschule/Gesamtschule und ein Vergleich mit der Leistung gleichaltriger Schüler im Gymnasium.

Silbe

Jedes Wort besteht mindestens aus einer Silbe (z.B. du, ab, bist). Die meisten Wörter bestehen aus mehreren Silben (Ma-ma, ver-ge-ben, Pa-pa-gei-en-tau-cher-schna-bel), die den Sprachrhythmus und die Betonung der Wörter bestimmen. Jede Silbe enthält einen Vokal.

Stammmorphem

Das Wort besteht aus Sinn unterscheidenden Teilen. Das Stammmorphem ist der Teil des Wortes, der Hinweis auf die Verwandtschaft des Wortes (bzw. auf den tiefer liegenden Sinn des Wortes) gibt. Beispiel Stammmorphem „lauf“ in Lauf, lauf/en, ver/lauf/en, Läuf/er, ver/läuf/t). Anfangs- und Endmorphem (Vorsilben oder Endsilben) bestimmen die Wortart, die grammatische Funktion.

Strategieprofil

schreib.on ermittelt die Gesamtleistung (richtige Wörter, Graphemtreffer) sowie die Leistungen in den einzelnen Rechtschreibstrategien nach T-Werten und Prozenträngen. Bei sicheren Schreibern ergibt sich meist nur eine geringe Schwankung der einzelnen Teilleistungen um die Gesamtleistung. Liegen Probleme im Lesen und Schreiben vor, differieren die Ergebnisse zwischen den einzelnen Strategien häufig stark. Sie sind dann unausgewogen. Das gibt einen Hinweis darauf, welche Zugriffsweisen besonders gefördert werden sollten. Zusätzlich weist das Gutachten auf besondere Stärken und Schwächen bei einzelnen Rechtschreibstrategien in Beziehung zur Gesamtleistung hin. Das Strategieprofil wird in einer Grafik veranschaulicht.

Tippfehler

Tippfehler kommen beim Schreiben mit dem Computer vor, wenn jemand

·       nebeneinander liegende Tasten verwechselt (z. B. v statt b),

·       eine Taste zu lange drückt (z. B. fffffffahren)

·       zwei Tasten gleichzeitig drückt (z. B. fgahjren statt fahren).

 Die Zahl der Tippfehler hängt weniger von der orthografischen Kompetenz ab, sondern ist eher ein Hinweis auf Unaufmerksamkeit, denn sie können optisch kontrolliert und nach der Eingabe korrigiert werden.

T-Werte

T-Werte stellen eine Umwandlung der Prozentränge (PR) in Standardwerte dar und ermöglichen damit die Normierung auch nicht-normal verteilter Eichstichproben, als ob sie normal verteilt wären. Im Unterschied zu den tatsächlichen Werten, deren Verteilung entsprechend dem wachsenden Leistungsvermögen der Kinder zunehmend „schief“ ist, weil die Mehrzahl der Grapheme leicht zu schreiben ist, verteilen sich die T-Werte wie in der Gauß'schen Normalverteilung. Die T-Werte sind gegenüber den Prozentrang-Angaben zwar weniger anschaulich, bilden aber Unterschiede im gesamten Leistungsspektrum statistisch korrekt ab. Aus T-Werten können daher auch Durchschnittswerte berechnet werden. Der Mittelwert liegt bei T = 50, die Standardabweichung beträgt 10 T-Werte. T-Werte zwischen 40 und 60 liegen also im Durchschnittsbereich.

Überflüssige orthografische/morphematische Elemente

Bei der orthografischen und morphematischen Strategie treten – vor allem bei Lernanfängern – auch Fehler auf, die als überflüssige orthografische und morphematische Elemente bezeichnet werden. Diese besonderen Markierungen sind an anderer Stelle sinnvoll und notwendig (z. B. h als Längezeichen oder doppelte Konsonanten), jedoch beim hier geschriebenen Wort überflüssig und falsch (z. B. Fehrnsehehr oder Verrkäuferrin). Dazu gehören auch fälschliche Ableitungen des Umlautes (Pseudoableitungen), bei denen ä oder äu statt e oder eu (z.B. häute statt heute) geschrieben wird, oder des Auslautes (z. B. hard für hart, Wergzeug für Werkzeug). Nicht selten kommen auch irrtümliche v-Schreibungen (z. B. Vernsehen, vertig vor, weil die Vorsilbe/der Baustein ver- gelernt wurde oder Verdopplungen von Konsonanten wie z. B. bei Omnibuss, Packet. Solche Schreibungen zeigen, dass orthografische Elemente und morphematische Ableitungen durchaus im Blick des Schreibers sind, jedoch noch nicht genügend in die Wortstruktur eingebettet werden und bestimmte Zusammenhänge der notwendigen Schreibung (z.B. die Unterscheidung von Stammmorphem und Vor- bzw. Endsilben) noch nicht erkannt wurden.

Vergleichswerte, Vergleichsnormen

Die Leistungen eines einzelnen Schreibers werden immer mit den Leistungen aller Schreiber einer Altersgruppe bzw. einer bestimmten Schulform verglichen, die gesondert ermittelt wurden. Das sind die so genannten Vergleichswerte oder Vergleichsnormen. In schreib.on werden Vergleichsnormen verwendet, die im Jahr 2013 erhoben wurden. Es gibt Vergleichsnormen für die Klassenstufen 1 bis 12 sowie für die Schulformen Gymnasium und Haupt-/Realschule/Gesamtschule.

Vokale

Da jede Silbe in der deutschen Sprache einen Vokal aufweist, kann anhand der Vollständigkeit der Markierung der Vokale durch Buchstaben festgestellt werden, inwieweit Schreiber die Grobstruktur der Wörter beachten. Vokalauslassungen werden daher bei schreib.on als Grobgliederungsfehler bezeichnet. Dabei sind betonte Vokale (z. B. das a in Lampe) leichter wahrzunehmen und entsprechend mit Buchstaben zu markieren als unbetonte (z. B. das e in Lampe). Hinsichtlich der Differenzierung der Lautqualität bereiten lang gesprochene Vokale (z. B. das u in Schule) im Allgemeinen weniger Schwierigkeiten als Kurzvokale (z. B. das u in kurz). Daher werden bei der Auswertung Lang- und Kurzvokale unterschieden. Besonders schwierig zu markieren und lautlich zu differenzieren sind unbetonte Kurzvokale in Vorsilben oder Endungen (z. B. e und i in Verkäuferin).

Wort

Sinneinheit in einem Satz, das aus Silben und Morphemen zusammengesetzt ist. In der gesprochenen Sprache werden Wörtern durch Lauteinheiten (Phoneme) gebildet, in der Schriftsprache werden Wörter durch Buchstaben (Grapheme) bezeichnet.

Wortbausteine (= Morpheme)

Wörter setzen sich aus Morphemen zusammen. Es wird unterschieden zwischen dem Stamm-, Anfangs- und Endmorphem. Diese Morpheme werden auch als Wortbausteine bezeichnet.

Wortstamm

Stammmorphem innerhalb eines Wortes, das auf die Verwandtschaft des Wortes hinweist

Wortübergreifende Strategie

In der Schriftsprache sind die Wörter häufig in einen Satzzusammenhang eingebettet. Viele Wortschreibungen hängen von der Stellung des Wortes im Satz ab. Somit können wortübergreifende Aspekte die Schreibung beeinflussen. Das betrifft

·       die Groß-/Kleinschreibung, z. B. abhängig von der Wortart (Spinnen spinnen ihr Netz.) oder abhängig von der Stellung im Satz (Spinnen sie ihr Netz?)

·       die Getrennt- und Zusammenschreibung (Ein Rad fahren wir in den Schuppen. Aber: Ich lerne Einradfahren. Ich möchte zusehen. Es war nichts zu sehen.)

·       die Zeichensetzung (Er will, sie nicht! Er will sie, nicht?)

·       die Satzkonstruktion und ihre Auswirkungen auf Flexionsendungen (... zum Schreiben ...) Die Beachtung der Satzkonstruktion ist auch beim Schreiben von Artikeln und anderen Beiwörtern (Präpositionen) im Wem-Fall (Dativ) besonders wichtig (z. B. dem, am, zum). Zur wortübergreifenden Strategie gehört auch das Setzen entsprechender Satz- und Redezeichen.

Zugriffsweisen

Anderes Wort für Rechtschreibstrategie

Zwielaute

Zweier-Vokale ei, au, eu, äu