Dr. Peter May

Autor von schreib.on ist Dr. Peter May. Er beschäftigt sich seit 1982 mit Fragen des Schriftspracherwerbs und der Lernschwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.

Viele Jahre arbeitete er als Lehrer an Haupt- und Realschulen und als Schulpsychologe. Von 1994-2000 begleitete er das Projekt "Lesen und Schreiben für alle" wissenschaftlich. Er ist als wissenschaftlicher Direktor im Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg für Testentwicklung zuständig. Er ist auch der Autor der Hamburger Schreibprobe und der Hamburger Leseprobe und anderer Schulleistungstests.

Er ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Lehrinstitute für Orthographie und Schreibtechnik (LOS) und veröffentlichte 2006 eine Studie über deren außerschulischen Fördererfolg bei Kindern mit Problemen im Lesen und Schreiben.

schreib.on wurde in enger Zusammenarbeit mit den Lehrinstituten für Orthographie und Schreibtechnik (LOS) und unter Berücksichtigung ihrer Erfahrungen in der außerschulischen Förderung von Kindern und Jugendlichen im Lesen und Rechtschreiben entwickelt.

Nach übereinstimmender Auffassung vieler Wissenschaftler und Pädagogen lernen Kinder das Lesen und Schreiben in aufeinander folgenden Stufen. Frith und Günther haben dazu Mitte der 1980er-Jahre ein so genanntes Schriftspracherwerbsmodell erarbeitet.

Es geht davon aus, dass auf dem Weg zur richtigen Beherrschung des Lesens und Schreibens diese Stufen durchlaufen und entsprechende Lernschritte absolviert werden müssen. Einzelne Kinder verharren auf einer bestimmten Stufe länger, andere kommen schneller voran. Alle Kinder sind jedoch - unter Umständen mit zusätzlicher pädagogischer Förderung - in der Lage, sich nach und nach richtige Zugriffsweisen für die Schreibung der Wörter anzueignen und bislang nicht oder nicht vollständig vollzogene Lernschritte nachzuvollziehen. Beim Durchlaufen der Stufen der Lese- und Schreibentwicklung eignen sich die Kinder entsprechende Rechtschreibstrategien an.

schreib.on liegt eine erweiterte Fassung dieses Entwicklungsmodells zugrunde, die zusätzlich die morphematische Strategie sowie die wortübergreifenden Zugriffsweisen umfasst.

Die alphabetische Strategie:
Die Schreiber sind fähig, den gehörten Lauten Buchstaben oder Buchstabenverbindungen zuzuordnen und Wörter entsprechend der eigenen Aussprache zu schreiben (z.B. *mota für "Mutter" oder *farat für "Fahrrad"). Die auf diese Weise geschriebenen Wörter mögen zwar nicht immer orthographisch richtig sein, doch kann ihre Bedeutung meistens durch lautes Vorlesen erkannt werden.
Die orthographische Strategie:
Die Schreiber haben gelernt, dass allein die Schreibung nach der Aussprache nicht ausreicht, sondern dass viele Schreibungen zusätzlichen Regeln folgen, die auch auf andere Fälle angewandt werden können. Dazu gehören vor allem Längezeichen (z.B. Ziege, Bahn) und Kürzezeichen (z.B. Koffer, rennen) sowie die Schreibung von "st" und "sp" am Wortanfang (z.B. Spinne, stolpern).
Die morphematische Strategie:
Die Schreiber erkennen, dass viele Wörter miteinander verwandt sind, weil sie einen gemeinsamen Wortstamm haben (z.B. kaufen, Käufer), und dass Wörter aus Bausteinen (Morphemen) zusammengesetzt sind (z.B. setz-en, ver-setz-en). Wer diese Strategie beherrscht, leitet die Schreibung aus der Kenntnis der Verwandtschaft der Wörter ab (z.B. waschen -> Wäsche) und kann Wörter nach dem Baukastenprinzip zusammensetzen (z.B. Hand, Handel, Verhandlung).
Die wortübergreifende Strategie:
Viele Schreibungen hängen von der Stellung des Worts im Satz ab. Sehr oft ist zum Beispiel die Groß- oder Kleinschreibung davon abhängig. Hierzu gehört auch die Setzung der Satzzeichen.
schreib.on liegt dieses Schriftspracherwerbsmodell zugrunde. schreib.on ermittelt, auf welchem Niveau die Lernenden diese Zugriffsweisen (Rechtschreibstrategien) bereits beherrschen, und gibt so konkrete Hinweise, wo bei einer Förderung angesetzt werden muss, um weitere Lernschritte erfolgreich zu vollziehen.
schreib.on ermittelt, was die Lernenden schon richtig schreiben können, analysiert die Qualität der noch vorhandenen Fehler nach der daraus ersichtlichen Zugriffsweise der Kinder.

Für schreib.on wurden über 700 Einzel-Wörter sowie Sätze und Texte ausgewählt, die in besonders typischer Weise die Anwendung dieser Rechtschreibstrategien erfordern und so Aufschluss über ihre Beherrschung geben.

Die Kinder und Jugendlichen schreiben während des Tests Wörter und Sätze nach Diktat. Diese individuellen Schreibungen werden danach untersucht, inwiefern sie bereits richtig oder angemessen geschrieben sind. Dazu werden alle Graphemstellen analysiert und danach bewertet, welche Rechtschreibstrategien die Schreibenden anwenden.

In der Auswertung des Tests wird der Stand der Beherrschung der einzelnen Strategien aufgezeigt.

Die Leistungen eines einzelnen Kindes werden bei schreib.on immer mit den Leistungen aller Kinder einer Altersgruppe (Klassenstufe) und verschiedener Schulformen (entweder alle Schulformen zusammen oder getrennt nach Gymnasium und übrige Schulformen) verglichen.

Die bisherigen Vergleichsnormen für schreib.on basieren auf Schätzwerten, die aus den Erhebungen zur Normierung der Hamburger Schreibprobe (HSP) im Jahr 2002 gewonnen wurden. Dies war möglich, weil HSP und schreib.on nicht nur eine gemeinsame theoretische Grundkonzeption (strategieorientierte Rechtschreibdiagnose auf der Grundlage der Wortstellenanalyse) haben, sondern auch einen Teil gemeinsamer Wörter umfassen.

Zur Bildung der vorläufigen Vergleichswerte für schreib.on wurden mit Hilfe der gemeinsam in HSP und schreib.on vorkommenden Wortstellen Schätzwerte für die Ergebnisse in schreib.ongebildet und diese Werte auf die übrigen Wortstellen in schreib.on übertragen. Das Problem dabei ist allerdings, dass in schreib.on teilweise schwierigere Wörter und Sätze zu schreiben sind als in der HSP. Dadurch fielen die vorläufigen Vergleichsnormen für schreib.on vergleichsweise streng aus, die Rechtschreibkompetenzen der Testbenutzer wurden etwas unterschätzt. Gleichzeitig wurden die Leistungen bei der HSP etwas überschätzt, denn die Normen der HSP aus dem Jahre 2002 sind ebenfalls nicht mehr in vollem Umfang gültig und müssen angepasst werden.

Schreib.on ist ein Testsystem für die Jahrgangsstufen 1 bis 11 und darüber hinaus und umfasst zahlreiche Versionen. Eine bundesweit repräsentative Eichung aller Versionen würde eine längere Zeit in Anspruch nehmen, da längst nicht alle Schulen über die notwendige technische Ausstattung verfügen, um ganze Klassen kurzfristig mit einem Online-System zu testen.

Daher wurde ein indirekter Weg zur Herstellung von Normstichproben gewählt. Da im Rahmen der IGLU-Studie von 2006 viele Wörter aus schreib.on und HSP geschrieben wurden, liegen für beide Tests Verteilungswerte aus einer bundesweit repräsentativen Stichprobe aus 2500 Schülern am Ende der Jahrgangsstufe 4 vor. Diese Werteverteilungen aus IGLU bilden auch die Grundlage für die Ermittlung der Verteilungswerte für die Jahrgangsstufen 1 bis 3 und 5 bis 11, indem für diese Jahrgangsstufen Daten aus vorliegenden Längsschnittuntersuchungen mit den Daten aus IGLU verknüpft und repräsentative Stichproben für die Jahrgangsstufen 1 bis 3 und 5 bis 11 gebildet wurden. Konkret bedeutet dies, dass aus den vorliegenden Längsschnittstichproben Kinder und Jugendliche ausgewählt wurden, deren Rechtschreibleistungen am Ende der Jahrgangsstufe 4 exakt denen der Schüler aus der IGLU-Erhebung entsprechen. Auf diese Weise konnten wir für alle Jahrgangsstufen bundesweit repräsentative Vergleichsstichproben bilden.

Da in diesen Längsschnitterhebungen auch sehr viele Wörter und Sätze geschrieben wurden, die in schreib.on vorkommen, konnten nun die auf dem Online-Server gesammelten Ergebnisse mit den Ergebnissen der repräsentativen Stichproben verknüpft werden. So haben wir auf der Grundlage von 12 800 Online-Tests die Ergebnisse derjenigen Personen ausgewählt, deren Rechtschreibkompetenzen genau denen der Repräsentativstichproben entsprechen. Auf diese Weise konnten wir für alle Jahrgänge repräsentative Verteilungswerte bilden und Normwerte für die Tests berechnen.

Nach den neuen Normen stellen sich die erzielten Leistungen im Rechtschreibtest im sozialen Vergleich meist etwas günstiger dar, weil die bisherigen Schätzwerte für schreib.on, die sich an den HSP-Normen orientierten, im Allgemeinen etwas zu streng ausfielen. Allerdings werden sich auf Grundlage der neuen Normierungen auch die Referenzwerte für die HSP etwas ändern, da diese im Laufe der vergangenen Jahre allmählich etwas zu niedrig ausfielen. Für die HSP werden daher in Kürze ebenfalls neue Normierungen gelten. Dann wird die Situation gegeben sein, dass für die parallele Nutzung von Online- und Papiertest direkt vergleichbare Normen gelten, die auf derselben empirischen Grundlage gewonnen wurden.

DIDEON wird nicht automatisch alle bisherigen Testauswertungen anpassen. Jeder Nutzer hat selbst die Möglichkeit, die alte Auswertung zu löschen und eine neue zu generieren. Das ist besonders dann zu empfehlen, wenn diese Testergebnisse mit neueren Testergebnissen verglichen werden sollen.